An das Vergangene erinnern – Ivan Polunin



Quelle: Ivan Polunin Collection

Singapur steht unter dem ständigen Druck, sich immer neu erfinden und sein Stadtbild verändern zu wollen. Wo heute noch eine grüne Wiese zum Spielen und Picknicken ist, steht morgen ein luxuriöses Shoppingcenter mit exklusiven Marken. Ganze Landflächen werden mittels Sandaufschüttung gewonnen um neue Bebauungsflächen für Großprojekte wie das Marina Sands zu erschaffen. Durch diese ständige Veränderung vergisst der Mensch schnell, was heute nicht mehr ist und früher einmal war.

Schau dir die Dinge um dich herum an. Heute sehen sie noch normal aus. Aber wende dich für einen Tag, eine Woche, ein Jahr ab und schau sie dir wieder an – So werden sie komplett anders erscheinen. Und du wirst dich fragen, wie sie früher waren.
Ivan Polunin

Wie aber sich an die Vergangenheit erinnern, wenn sich die Zukunft doch so rasant entwickelt?

Ivan Polunin sitzt in seinem Archiv, gefüllt mit Filmrollen, Tonbändern, alten Videokassetten. Er möchte seine wertvollen Dokumente der Zeit digitalisieren, um sie der Nachwelt zugängig zu machen.  Geboren am 12. Dezember 1920 in London, verbrachte Ivan Polunin seine Kindheit und Jugend mit seinem russischen Vater und seiner englischen Mutter zunächst an der Themse. Sein großes Interesse an den Naturwissenschaften und der Medizin brachten ihn 1948 nach Südostasien. Hier begann er 1952 unter der Kolonialregierung von Nordborneo eine umfangreiche Krankheitsstudie der ethnischen Volksgruppe Muruts in Nordborneo, dem heutigen Sabah in Malaysia. Ziel seiner Forschung war es, mehr über die gesundheitliche Lage der Menschen und die unterschiedlichen Tropenkrankheiten in Erfahrung zu bringen. Dabei entstanden seine ersten Filmaufnahmen, die neben Aufnahmen von Krankheiten zeigten auch das alltägliche Leben der indigenen Völker darstellten. Seitdem war das Fotografieren und Filmen für Ivan Polunin vielmehr als nur eine Form des Dokumentierens. Es entstanden Aufnahmen, die einen neugieren Blick in den exotischen Osten  und Singapore und die malaysische Welt während des Kolonialzeit porträtieren.

Quelle: Ivan Polunin Collection

Ivan Polunin versucht sich zu erinnern. Er sitzt vor einem Mikrophon und kommentiert seine alten Filmaufnahmen aus längst vergangener Zeit auf. Er gerät ins stocken, vergisst, weiß nicht mehr, was er sagen wollte. Er, der selber immer Angst hat, in Vergessenheit zu geraten, kann sich nicht mehr erinnern.

Growing old means you might be thinking about what you leave behind. Do you continue to exist? You can continue to exist in film or on film that you have made.
Ivan Polunin
Zitat aus dem Film Invisible City von Tan Pin Pin

Am 21. Dezember 2010 starb Ivan Polunin. Er hinterließ eine umfangreiche und außergewöhnliche Sammlung an Audio- und Fotoaufnahmen, Filmmaterial und Dokumenten über das alltägliche Leben des früheren Singapurs und der malaysischen Welt, die heute so kaum noch existiert. Und gleichzeitig ermöglicht er der Bevölkerung Singapurs sich zu erinnern – an Zeiten und Orten, die heute nur noch Vergangenheit sind.

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