Ba Mua – Three Seasons



Tony Bui, 1999 (USA)

Tony Bui möchte mit seinem Film Ba Mua/Three Seasons ein Bild von Vietnam schaffen, in dem er sich mehr auf die Menschen in dem sich verändernden Vietnam konzentriert. So erläutert er seine Intentionen in einem Interview wie folgt:

The consciousness in terms of Vietnam in America is in one light, and that light is war and conflict. Here’s a film where I’m trying to create a different light that deals more with the people and deals with the hopes and concerns of a country that’s in transition, and a country that’s at peace and is more worried about moving forward and how to join the economic world and the international world.

Ho Chi Minh Stadt Mitte der 90er Jahre. Die Stadt verändert sich aufgrund der Reformpolitik Doi Moi von 1986 rasant und mit ihr auch die Menschen. Three Seasons ist ein Film über sechs Menschen dieser pulsierenden Stadt und ihrer Art mit den ständigen Veränderungen zurechtzukommen.

Die junge Kien An erreicht Saigon um dort mit dem Pflücken und Verkaufen von Lotusblumen Geld verdienen zu können. Hier lernt sie den Besitzer der Lotusblumenplantage kennen, der sich aufgrund seiner Lepra-Erkrankung in einen Tempel inmitten von Lotusblumen zurückgezogen hat.

Auf den Straßen von Saigon arbeitet der Cyclo-Fahrer Hai. Er verliebt sich in die Prostituierte Lan, die von einem unbeschwertem Leben träumt.

Durch die rasante Entwicklung, die Vietnam seit Doi Moi erlebt, werden immer mehr neue Gebäudekomplexe hochgezogen und die kleinen, ursprünglichen oder die aufgrund von Wohnungsmangel entstandenen informellen Viertel müssen ihnen weichen.  „Wir leben in ihrem Schatten. Jedes Mal, wenn ein neues Hotel entsteht, wird der Schatten wieder etwas größer.“ Lan und Hai leben in armen Verhältnissen, besitzen nur das Nötigste. Im Gegensatz zu einigen der Arbeitskollegen kann sich der Cyclo-Fahrer Hai jedoch glücklich schätzen ein Bett zu besitzen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Viele der Cyclo-Fahrer in Vietnam kommen vom Land in die Stadt in der Hoffnung, dort als Rikscha-Fahrer Geld verdienen zu können. Durch den raschen Anstieg der Einwohnerzahlen ist die Stadt Saigon mehr als überlastet und vielen Cyclo-Fahrern bleibt bei Nacht nichts anderes übrig, als in ihren Rikschas zu schlafen.

Auch der kleine Straßenjunge Woody lebt auf Saigon’s Straßen und hält sich mit seinem Bauchladen über Wasser. Als er den Vietnam-Veteranen James Hager kennenlernt, wird ihm der Bauchladen gestohlen und er begibt sich auf die Suche. Auch James Hager ist auf der Suche. Nach Jahren kehrt er nach Saigon zurück, um seine vietnamesische Tochter zu finden.

Es kann behauptet werden, dass die Rolle des James Hager die Gefühle Tony Bui‘s als Exilvietnamese widerspiegelt. Der Vietnam-Veteran James Hager kehrt mit der Intention zurück, mit dem Land Frieden zu schließen, da er die Erinnerung an Vietnam nicht loswerden kann. Tony Bui wurde im Alter von 19 von seiner Mutter nach Vietnam geschickt, um seine noch dort lebenden Familienmitglieder kennen zu lernen. Dieser zweiwöchige Aufenthalt veränderte sein Leben nachhaltig. Hatte er in Vietnam noch das Verlangen, gleich nach seiner Ankunft wieder zurück nach Amerika zu fliegen, überkam ihn bei seiner Rückkehr nach Amerika ein für ihn unerklärliches Gefühl.

And after two weeks, I left, never thinking I would go back. I landed in San Francisco and in about a 45 minute drive to my parents house in San Jose, I just had this incredible feeling of depression that hit me. It was very odd because I wanted so badly to leave and (here) I had this incredible sense of longing and sadness. I was in tears. But I couldn’t explain what I was crying about. I had to go back to figure it out. And I remember writing apology letters to all my relatives, because I’m sure I insulted them every day with ‘What do you mean you don’t have a toilet?’ and ‘Oh my god, it’s so hot!’ and ‘What’s that smell?!?’.

So kehrte auch Tony Bui genau wie sein Charakter James Hager nach Vietnam zurück, um sich mit diesem Land zu versöhnen. Diese Rückkehr brachte ihn dazu, seine Gefühle durch diesen Film zu vermitteln.

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